Nebelkerzen statt finanzierbaren Nuzungsvorschläge zur Diskussion um die alte Bücherfabrik

Ich bin neu in der Politik und lerne gerade, wie Meinungen gemacht werden. Zum Beispiel in der Diskussion um die alte Bücherfabrik. Die SPD will offenbar mit Gewalt das Gesundheitszentrum, das vom Rat mehrheitlich abgelehnt wurde. 

Dazu werden Bürgerbegehren initiiert und Leserbriefkampagnen gestartet. Neuerdings werden Vereinsvertreter mobilisiert, die für einen Versammlungssaal im Bürgerzentrum trommeln und den Eindruck erwecken, CDU, Grüne und FDP hätten in böser Absicht den Traum vom großen Festsaal zerstört.

In keinem der vielen Artikel und Leserbriefe zu diesem Thema wird auf die Finanzierbarkeit eingegangen. Darum hier noch mal unsere Rechnung:

Für das Projekt hätte ein Kredit von 24 Millionen Euro aufgenommen werden müssen. Um Zins und Tilgung zahlen zu können, hätte eine Fläche von 5000 Quadratmetern vermietet werden müssen.

Bei der Kalkulation wurde ein Zinssatz von 1,69 Prozent zu Grunde gelegt. Dies war Anfang des Jahres. Inzwischen liegen die Zinsen bei gut 4 Prozent.  

Zudem sind die Baupreise seit Anfang des Jahres gestiegen. Auch das wird nicht berücksichtigt. 

Falsch dargestellt wird auch, dass die Bewerbung um den A-Stempel keine Kosten verursacht hätte. Im Gegenteil: Ein unabhängiges Institut hätte das Projekt noch einmal detailliert durchrechnen müssen, was teuer geworden wäre.

Fazit: Ein Bürgerzentrum kann es nur geben, wenn es bezahlbar ist - und zwar aus den Mieteinnahmen des Projekts. 

Wir schlagen daher vor, das Bürgerzentrum mit Wohnraum zu kombinieren. Der  Wohnungsmarktbericht für 2022 beklagt einen Notstand für altersgerechte und bezahlbare Wohnungen. Durch die Nähe zur Ortsmitte und zum öffentlichen Nahverkehr ist die Bücherfabrik eine hervorragende Wohnlage.

Ein Hinweis noch zum Gesundheitszentrum: Könnte man damit wirklich einen Ärztemangel in der Gemeinde beheben, wäre es noch vertretbar, kommende Generationen mit den Folgekosten zu belasten. Aber leider: Wenn Ärzte fehlen, liegt das nicht an mangelndem Raum, sondern an einem Mangel an Ärzten.

Die Gesundheitsdienstleister sind zurzeit über die Gemeinde verteilt. Würde man sie alle in Ründeroth zusammenfassen,  würde  sich die Situation für die anderen Ortsteile verschlechtern. Noch mehr Leerstand entlang der Hauptstraße wäre die Folge.

 

Martin Bach
Vorstandssprecher OV-Grüne Engelskirchen



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