Engelskirchen. Am Sonntag, dem 13. Juli machte der Vorsitzende des Engelskichener Angelvereins, Markus Klein, eine grausige Entdeckung: Hinter dem Turbinenauslauf der Wasserkraftanlage Ohl-Grünscheid lagen tausende toter Fische. In den wenigen verbliebenen Pfützen zappelten einige noch um ihr Leben. Der Grund für die Katastrophe: Weder über das 175 Meter flussauf liegende Wehr noch aus der Wasserkraftanlage kam Wasser. Ein Reporter des WDR filmte das Drama.
Zunächst schien es so, als handele es sich um ein einmaliges Versehen. Die Ermittlungen ergaben aber, dass es entsprechende Situationen mehrfach gegeben hat, da die Wasserkraftanlage so programmiert ist, dass bei einem Unterschreiten des Wasserstandes im Stau einfach die Anlage geschlossen und gewartet wird, bis wieder genügend Wasser im Stau ist. Das heißt, es wurde mehr Wasser durch die Turbinen gelassen, als von der Agger nachfloss. Früher, bei den alten Turbinen, konnte das Niedrigwasser nicht verarbeitet werden und alles Wasser floss über das Wehr.
Nachdem die Oberbergische Polizei keine Strafanzeige vor Ort aufnehmen wollte und der herbeigerufene Vertreter des Umweltamts sich ebenfalls desinteressiert zeigte, griff am 24.7.2025 die Zentralstelle für die Verfolgung der Umweltkriminalität bei der Staatsanwaltschaft Dortmund ein. In Bayern, wo die Aggerkraftwerke ihren Firmensitz haben, und in der WKA Ohl-Grünscheid wurde zeitgleich eine Razzia durchgeführt. Computer und anderes Beweismaterial wurden beschlagnahmt.
Die Anlage wurde von der Bezirksregierung Köln stillgelegt und darf erst wieder betrieben werden, wenn ein Konzept vorgelegt wird, das sicherstellt, dass solche Straftaten sich nicht wiederholen.

Der Skandal hinter dem aktuellen Strafverfahren ist jedoch das jahrelange behördliche Versagen. 2003 wurde das Wasserhaushaltsgesetz in Kraft gesetzt. Aber die zuständigen Behörden versäumten es über Jahrzehnte, an der Agger gesetzeskonforme Zustände durchzusetzen. Nach dem Fischsterben hat sich die Bezirksregierung Köln allerdings erfreulich geäußert. Sie habe, so die Bezirksregierung Köln, ein „Konzept zur Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben“ erstellt. So sollen neben der Mindestwasserführung auch die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit an den Stauanlagen im Mittellauf der Agger, einschließlich der Stauanlage Ohl-Grünscheid angeordnet werden. Auf diese Weise sollen das Ökosystem der Agger und die Wasserlebewesen nachhaltig geschützt werden.
Dass die Aggerkraftwerke dieser Anordnung Folge leisten werden, ist angesichts der Kosten in Millionenhöhe unwahrscheinlich. Die Alternative ist der Ausstieg. Dann muss die ganze Anlage zurückgebaut werden. Das wäre eine großartige Nachricht für die Agger. Wir gewinnen einen frei fließenden Fluss mit allen Vorteilen für die Tierwelt, den Hochwasserschutz und die Erholung.
Wir erwarten vom NRW-Umweltminister, Oliver Krischer, dass er die Mitarbeiter*innen der Bezirksregierung Köln bei der Herstellung gesetzeskonformer Zustände an der Agger unterstützt.
Wer sich über die Entwicklungen auf dem Laufenden halten will, kann den Aggerbrief abonnieren:
https://www.bund-rg-koeln.de/agger/
Verfasser: Friedrich Meyer
22. Januar 2026, 19:00 Uhr, Ortsverband-Versammlung im Baumhof, Hauptstraße 18, Ründeroth.
13. Dezember 2025, 9.30 bis 11:00 Uhr: Trotz der abgeschlossenen Klimakonferenz in Brasilien gibt es keine Fortschritte für den langfristigen Klimaschutz. Gleichzeitig zeigen aktuelle Daten, dass sich Natur und Umwelt spürbar und dauerhaft verändern. Was bedeutet das für Engelskirchen?
Darüber möchten die Vertreter*innen des Grünen Ortsverbands mit Ihnen sprechen – am Samstag, 13.12. am Infostand am Engelsbrunnen.
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