Im Zuge des Wahlkampfs hat sich unsere Landratskandidatin für den Oberbergischen Kreis, Bernadette Reinery-Hausmann, die Zeit genommen, ein Interview mit Helga Oprisch zu führen. Das komplette Interview kann hier gelesen werden...
Helga: „Magst du dich ganz kurz vorstellen für alle diejenigen, die dich bisher nicht kennen? Wie kamst du zu den Grünen?“
Bernadette: „Ich bin 50 Jahre alt, lebe mit meinem Mann, unseren beiden Söhnen, unserem Hund und ein paar Hühnern in Morsbach – direkt neben meinem Unternehmen. Seit über 20 Jahren leite ich dort einen ambulanten Pflegedienst mit Tagespflege, Wohngemeinschaften und rund 130 Mitarbeitenden. Nach meinem Studium im Pflegemanagement habe ich gelernt, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen – in und außerhalb der Familie, für Menschen, für Arbeitsplätze und für unsere Region. Politisch engagiert habe ich mich schon mit 16 Jahren bei Friedensdemonstrationen – richtig aktiv wurde ich dann, als unsere Grundschule im Ort geschlossen werden sollte. Das war mein Einstieg in die Kommunalpolitik. Seit zehn Jahren bin ich kommunalpolitisch aktiv, seit fünf Jahren Sprecherin des Ortsverbands und des Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen.“
Helga: „Du hast dich ja nun für das Amt der Landrätin aufstellen lassen. Was hat dich dazu bewogen, zu kandidieren und welche Chancen rechnest du dir aus?“
Bernadette: „Ein Gespräch mit der guten Gabi Müller aus unserer Kreisgeschäftsstelle war der Auslöser. Wir sprachen darüber, was man im Oberbergischen Kreis noch verbessern könnte – und sie fragte mich direkt: ‚Warum kandidierst du eigentlich nicht selbst?‘ Diese Frage hat mich nicht mehr losgelassen. Ich bin überzeugt: Frauen können dieses Amt ebenso gut ausfüllen wie Männer – oder besser. Es gibt zu viele qualifizierte Frauen, die sich nur nicht trauen, Verantwortung auch in der Politik zu übernehmen. Auch mit meiner Kandidatur als Landrätin möchte ich Frauen ermutigen, hier Verantwortung zu übernehmen. Natürlich sind unsere Chancen als Grüne in einem ländlich geprägten Kreis nicht riesig – aber es ist eine Persönlichkeitswahl, keine reine Parteientscheidung. Und das gibt mir Rückenwind.“
Helga: „Was wären deine Aufgaben und Zuständigkeiten als Landrätin, solltest du die Wahl gewinnen?“
Bernadette: „Als Landrätin wäre ich die oberste Verwaltungschefin und politische Repräsentantin des Kreises. Eine meiner wichtigsten Aufgaben wäre es, parteiübergreifend Mehrheiten für gute, zukunftsfähige Lösungen zu organisieren. Gleichzeitig verstehe ich das Amt als Brücke zwischen Politik und Bevölkerung. Bürger:innennähe ist für mich kein Schlagwort, sondern ein Prinzip – durch offene Sprechstunden, Beteiligungsformate und transparente Kommunikation. Meine Erfahrung als Pflegekraft und Pflegemanagerin hilft mir dabei – denn auch dort geht es nicht nur um Organisation und Mitarbeiter:innenführung, sondern um etwas Grundsätzliches: Mit klaren Worten und echter Transparenz zeigt man Menschen, dass man sie ernst nimmt. Wer die Wahrheit biegt und nur das erzählt, was gerade nützlich erscheint, verspielt Vertrauen – im Team ebenso wie im Umgang mit Kund:innen. In der Pflege gilt das genauso wie in der Politik.“
Helga: „Mit welchen Forderungen bist du in den Wahlkampf gegangen? Was sind deine zentralen Themen und deine Ziele? Mit welchen Herausforderungen siehst du dich konfrontiert?“
Bernadette: „Klimaschutz und Gesundheit sind meine zentralen Themen – denn es geht um nichts weniger als die Grundlagen eines guten Lebens im Oberbergischen Kreis. Zur gesundheitlichen Versorgung gehört für mich in erster Linie, dass Menschen wohnortnah und verlässlich medizinisch versorgt werden. Und da stehen wir im Südkreis – in Morsbach, Waldbröl und Nümbrecht – inzwischen vor einem echten Notstand. Die hausärztliche Versorgung ist bereits unter die kritische Grenze gefallen, die Kassenärztliche Vereinigung schlägt Alarm. Das ist kein abstraktes Zukunftsproblem – das ist ein Versorgungsbruch mitten im Alltag. Ich will mich als Landrätin dafür einsetzen, dass die medizinische Versorgung, die für alle Bürger:innen grundlegend wichtig ist, auch wieder die Priorität bekommt, die ihr zusteht. Und dass wir Strukturen schaffen, die junge Ärzt:innen auch im ländlichen Raum halten. Auch beim Thema Mobilität brauchen wir einen echten Richtungswechsel. Der Ausbau der Bahnverbindungen, gerade im Süden, ist wichtig – aber darüber hinaus braucht es eine Mobilitätsoffensive, die Bus, Bahn, On-Demand-Angebote und den Radverkehr zusammendenkt. Viele Menschen haben in der Corona-Zeit die Freude am Radfahren wiederentdeckt. Mit E-Mobilität sind auch die Höhenmeter im Oberbergischen kein Ausschlusskriterium mehr. Die meisten Arbeitsplätze liegen im Fünf-Kilometer-Radius – diese Strecken lassen sich gut radeln, wenn die Wege sicher sind. Diese Menschen haben dasselbe Recht wie Autofahrer:innen: sicher, wohlbehalten und unversehrt am Ziel anzukommen. Wir brauchen endlich ein sicheres, durchgängiges Radwegenetz. Im Bereich erneuerbarer Energien müssen Gesetzesänderungen durch Bund und Land erfolgen, zum Beispiel bei der Festlegung geeigneter Flächen. Als Landrätin kann ich aber konkret unterstützen: Ich kann Projekte voranbringen, mit den Beteiligten an einen Tisch gehen und helfen, Blockaden aufzulösen. Die größte politische Herausforderung wird es sein, alle demokratischen Kräfte an einen Tisch zu bringen. CDU und FDP arbeiten häufig unter sich – ich stehe für Konsens, Zusammenarbeit und Lösungen, die den ganzen Kreis im Blick haben.“
Helga: „Stichwort ‚Kreishausneubau (Glaspalast)‘: Wie lassen sich Erhöhungen der Kreisumlage vermeiden?
Bernadette: „Die Grünen sind grundsätzlich für eine Zentralisierung der Kreisverwaltung. 20 über den Kreis verteilte Verwaltungsstandorte sind ineffizient, teuer und nicht mehr zeitgemäß. Eine zentrale Unterbringung – insbesondere für das Jugendamt, das aktuell auf fünf Gebäude verteilt ist – wäre absolut sinnvoll. Was wir kritisieren, ist nicht das Ziel eines Neubaus, sondern die Haltung der Führung der Kreisverwaltung, mit der an einem Projekt festgehalten wird, das längst aus dem Ruder gelaufen ist. Allein der erste Bauabschnitt soll rund 93 Millionen Euro kosten. Diese Summe lässt sich nicht einfach mit Inflation erklären – sie resultiert u. a. aus bautechnischen Schwierigkeiten wie den Gesteinsformationen am geplanten Standort. Die Kreisverwaltung kann rechnen – das steht außer Frage. Aber wenn Verträge so abgeschlossen wurden, dass keine Flexibilität mehr besteht, obwohl es längst günstigere Alternativen gibt, dann ist das kein technisches Problem – sondern ein politisches. Eine moderne Verwaltung muss in der Lage sein, auf veränderte Bedingungen zu reagieren. Stattdessen heißt es: Wir können da nicht mehr raus – koste es, was es wolle. Genau diese Starrheit in den Köpfen der Kreisverwaltungsführung macht viele Bürger:innen fassungslos – und das zu Recht. Der sogenannte ‚Glaspalast‘ ist längst zum Symbol geworden – nicht für große Architektur, sondern für den Unwillen zur Umkehr. Für die Weigerung, Verantwortung zu übernehmen. Und für die Ignoranz gegenüber Alternativen, die den Steuerzahler:innen Millionen ersparen würden.“
Helga: „Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche dir viel Erfolg für die Wahl und hoffe, dass es demnächst eine grüne Landrätin im Oberberg geben wird.“
22. Januar 2026, 19:00 Uhr, Ortsverband-Versammlung im Baumhof, Hauptstraße 18, Ründeroth.
13. Dezember 2025, 9.30 bis 11:00 Uhr: Trotz der abgeschlossenen Klimakonferenz in Brasilien gibt es keine Fortschritte für den langfristigen Klimaschutz. Gleichzeitig zeigen aktuelle Daten, dass sich Natur und Umwelt spürbar und dauerhaft verändern. Was bedeutet das für Engelskirchen?
Darüber möchten die Vertreter*innen des Grünen Ortsverbands mit Ihnen sprechen – am Samstag, 13.12. am Infostand am Engelsbrunnen.
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