Presseerklärung der Engelskirchener Grünen zum Aus der Bücherfabrik

16.10.22 von Martin Bach

Die Idee schien brilliant: "Wir machen aus der alten Bücherfabrik ein überregionales Gesundheitszentrum." Das riesige
Ziegelgebäude im Osten von Ründeroth war - und ist immer noch - im Dornröschenschlaf, aber grundsolide, dazu zentral
und gut zum Bahnhof gelegen. Und es hat jede Menge Potential. Doch es war immer allen klar: Allein würde die Gemeinde das
Projekt nicht stemmen können. Wir brauchen einen Zuschuss - und zwar in zweistelliger Millionenhöhe. So wurden Anträge
gestellt, die auch von unserer Fraktion unterstützt wurden. Dazu wurde das Projekt gegliedert in ein medizinisches
Versorgungszentrum, ein Bürgerzentrum und einen kommerziellen Teil. Doch leider, leider: Bewilligt wurden die Zuschüsse
seitens der Regionale nur für den kleineren Teil des Komplexes, das Bürgerzentrum. Es klaffte also immer noch eine Riesenlücke
bei der Finanzierung. Doch die Idee schien zu gut, als dass man einfach fallen lassen konnte: So wurde nach anderen
Fördermöglichkeiten gesucht, die, zu unserem Bedauern, auch nach Jahren vergeblich blieben.

Da entschlossen sich Bürgermeister und Verwaltung, ein Architektenbüro zu beauftragen, nach Einsparmöglichkeiten
zu suchen - und zwar in derselben Millionenhöhe, in der die Zuschüsse ausblieben.
Nun wurde der Entwurf vorgelegt: Durch einen Teilabriss und eine Aufstockung um eine Etage sollte dieser gewaltige Betrag
eingespart werden. Die Gemeinde müsse dann nur einen Kredit von 25 Millionen Euro aufnehmen. Zinsen und Tilgung glichen
sich mit den Mieteinnahmen aus. Dann sei "nur" noch ein jährlicher Fehlbetrag von 280.000 Euro übrig, der aus Gemeindemitteln
dazuzuschießen ist. Wirklich? Wie soll das möglich sein? Eine Einsparung in dieser Höhe?!
Nach Rücksprache mit Fachleuten sind wir zu dem Ergebnis gekommen: Hier wird nicht seriös gerechnet. Sorry, we are not convinced.
Und was ist, wenn die Baukosten, die auf extreme Kante genäht sind, noch steigen? Und was ist, wenn die Riesenfläche nicht
voll vermietet werden kann? Und was, wenn die Zinsen steigen? Dann bleibt die Gemeinde auf den Kosten sitzen.
Darum haben wir uns entschlossen, das Projekt nicht länger zu unterstützen. Zusammen mit der FDP und der CDU
haben wir nicht für die Einholung eines weiteren "Förderstempels" gestimmt. Das war das Aus für das Projekt.
Was mit der Bücherfabrik geschieht, ist nun wieder offen.
Wir wollen uns auf einen Reset einlassen und noch einmal ganz genau schauen, was wir wirklich brauchen und was machbar ist.